European Heritage Days / Tag des offenen Denkmals

In a small city with about 1000 historic monuments there is a lot to show and to see on the annual European Heritage Day. Almost everyone who lives here is a little amateur (art)historian, because apart from a lot of old things, there isn’t much else. On Heritage Day doors that are usually closed are opened, there are guided tours and a lot of curious people patiently waiting to take part in the ones they have selected.

This year I didn’t have enough patience to wait for some of the extraordinary tours. I only decided to learn something about St. Jakob’s Church which was part of an abbey founded by Irish Benedictine monks. It was a long, dangerious trip from Ireland to Bavaria back then, the monks brought valuable skills to the city.

Apart from St.Jakob’s Church I visited three more chuches that are closed on weekdays. I posted photos taken in the two Lutheran Churches, as you can see, one of them is currently being renovated. Both churches offered guided tours as well, but I felt one guided church tour per day was enough…

I had meant to see the third church for a long time. It is a very big church, but without spire, slightly away from the popular paths and not exactly beautiful from the outside, so it is easily overlooked when you just walk through the alleys. I have stood in front of its closed doors a few times and only recently did I spot a sign that said when the church was open to the public.

When I looked into it through the open doors, I was stunned. It’s a beautiful Gothic church with an elegant ribbed vault, it’s bright and there are beautiful old murals. But there was a problem. The church had a guard. I have been inside many churches in Germany and elsewhere, but I have never encountered an intimidating guard like that one. He eagerly made sure people abided by the rules that were posted on a sign in pictograms: no hats, no eating, no drinking, no filming, etc. He did it so obtrusively that some curious folks fled before they even entered the church.

The few visitors who weren’t scared off entirely were kept under constant surveillance. He didn’t comment on my hat, probably because Bavarian ladies traditionally wear hats during services. Chances are the rule just applied to men. I still left the church after a quick tour of it, because it felt like the guard was staring holes into my shoulder blades and sensed that I was indeed wondering where a camera would need to be put to take a nice photo.

I’ll visit that church again some other day and I hope I’ll then at least be able to look around in peace. I don’t think anyone actually had the nerve to pray then and there.

I would have loved to take a tour through a very old house that day, but I would have needed to wait for at least an hour, because so many other people were interested as well. I chose to buy myself some ice-cream and walk home on the sunny day instead.

In einer kleinen Stadt mit ca 1000 Denkmälern gibt es an solch einem Tag viel zu zeigen und zu sehen. Fast jeder, der hier wohnt, ist eine kleiner Hobby(kunst)historiker. Denn außer ganz, ganz vielen alten Sachen gibt es nicht viel zu sehen. So herrscht jedes Mal am Tag des offenen Denkmals wohlgeordnetes Chaos. Es gibt viele Führungen, viele interessierte Menschen und lange Wartezeiten.

Ich hatte in diesem Jahr nicht besonders viel Geduld, auf eine der ganz ausgefallenen Führungen zu warten. Ich hatte mir nur fest vorgenommen, mir etwas über die Jakobskirche erklären zu lassen, die Teil eines alten, von irischen Mönchen gegründeten Benediktinerklosters ist. Es war damals ein langer, gefährlicher Weg von Irland nach Bayern und die Mönche brachten wertvolle Kenntnisse mit.

Außer der Jakobskirche habe ich noch drei weitere Kirchen besucht, die wochentags geschlossen sind. Die Fotos aus den beiden evangelischen Kirchen sind hier zu sehen. Wie man sieht, wird eine davon gerade saniert. In den beiden Kirchen gab es auch Führungen, aber ich hatte daran kein besonderes Interesse. (Eine Kirchenführung pro Tag reicht…)

In die dritte Kirche wollte ich schon lange einmal gehen. Es ist eine sehr große Kirche, allerdings ohne Türme, etwas versteckte Lage und von außen nicht besonders schön, sodass sie leicht übersehen wird wenn man durch die Gasen läuft. Ich habe dort schon einige Male vor verschlossenen Türen gestanden und erst kürzlich an der Tür einen Zettel mit den Öffnungszeiten entdeckt.

Als ich dann durch die offenen Türen hineinschaute, war ich überwältigt. Eine wunderschöne gotische Kirche mit elegantem Kreuzrippengewölbe, hellem Innenraum und Wandmalereien. Es gab allerdings einen Haken. Die Kirche hatte einen Wächter. Sowas hab ich bei all meinen Kirchenbesichtigungen noch nie erlebt. Dieser ziemlich übereifrige Mensch achtete auf die Einhaltung der Regeln, die auf einem Schild in Piktogrammform kundgetan wurden: keine Hüte, nicht essen und trinken, nicht filmen, etc. Das tat er so aufdringlich, dass ein Teil der neugierigen Mensch schon vor der Kirchentür wieder die Flucht antrat.

Die wenigen Menschen, die sich von ihm nicht gleich abschrecken ließen, die Kirche zu betreten, in meinem Fall sogar mit Sonnenhut, wurden nicht aus den Augen gelassen. Ich habe die Kirche nach einem kurzen, eiligen Rundgang wieder verlassen, weil ich das Gefühl hatte, dass der Mann mir Löcher zwischen die Schulterblätter starrt und genau erkennt, dass ich natürlich überlege, wie man hier eine Kamera positionieren muss, um ein gutes Foto zu bekommen.

Ich werde die Kirche irgendwann nochmal besuchen und darauf hoffen, sie dann wenigstens in Ruhe besichtigen zu können. Zum Beten kam bei der Aufdringlichkeit dieses Mannes sicher niemand.

Ein altes Haus hätte ich gern noch besichtigt, aber ich hätte mindestens eine Stunde auf eine Führung warten müssen, weil es so viele Interessenten gab. Da habe ich lieber bei schönstem Spätsommersonnenschein noch ein Eis gegessen und bin nach Hause spaziert.

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7 thoughts on “European Heritage Days / Tag des offenen Denkmals

  1. Psst, “lutheran” und “evangelisch” sind nicht deckungsgleich… 😉
    Die Orgel ist ja leer auf dem unteren Bild. Unter der Orgel, soll das die Kanzel sein? So eine will ich auch, dann lasse ich unten einen Liturgen zelebrieren und lege bis zur PRedigt die Füße hoch. :mrgreen:
    (Wenn es sich aber nicht um die typisch evangelische Kanzel-Orgel-Wand handelt, wozu dient diese Loge denn dann? *grübel*

    • Ja, ich weiß schon, dass lutherisch und evangelisch nicht das gleiche ist. Ich seh das nur gelassen, ich hab halt keinen Theologieblog. 😀

      Über die Logen in den beiden lutherischen Kirchen habe ich mich auch gewundert. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass das Kanzeln sein könnten. Ich habe unklar in Erinnerung, dass es jeweils im Altarraum Kanzeln gab. Meine spontane Idee waren Extraplätze für irgendwelche Reichen. Dann fällt es nicht so auf, wenn sie nicht zuhören. 😉

      Die Kirche auf dem unteren Bild hat drei solcher Logen. Unter der Orgel und rechts und links vom Altarraum. Die andere hat nur Logen rechts und links vom Altarraum. Wenn ich die Tage in die Bücherei komme, schau ich mal, ob ich in einem schlauen Buch eine Erklärung finde.

      Die Kirche auf dem unteren Foto wird komplett saniert, die haben alles auseinandergebaut.

      • Wenn die Loge nicht direkt über dem Altar steht, dann wird sie wohl kaum die Kanzel sein – ich hatte das nur in Betracht gezogen, weil in der typischen evangelischen Predigerkirche oft Altar-Kanzel-Orgel übereinander angeordnet sind. Hier und auch bei der EKD sehr schön zu sehen – und nicht nur im Bergischen anzutreffen…

        Wenn die Logen seitlich oder im hinteren Bereich der Kirche zu finden sind, handelt es sich vermutlich eher um Fürsten- oder Patronatslogen. Ich bin zwar in eurer Bischofsstadt nicht sicher, ob es dort evangelische Patrone gab, und bezweifle eher, daß der Landesfürst in einen evangelischen Gottesdienst ging, aber die gleiche Art Loge wurde manchmal auch eingebaut, damit der Gemeinderat unbeobachtet den Pfarrer in der Ausübung seiner gottesdienstlichen Pflicht beaufsichtigen konnte. So etwa in St. Ludgeri in Norden.

      • Danke für die Links! Ich kannn mich nicht erinnern, je in einer Kirche gewesen zu sein, in der die Orgel in der Nähe des Altars war. Das ist auch bei den Kirchen auf den Fotos nicht so. Beide Orgeln sind auf der Westseite.

        Ich habe heute kurz in einem schlauen Buch nachgelesen. Leider hatte ich vergessen einen Stift mitzunehmen, sodass die Informationen aus dem Gedächtnis etwas lückenhaft sind.

        Die Kirche auf dem oberen Foto war ursprünglich eine katholische Klosterkirche und wurde x mal umgebaut. In unserer Stadt hatte die Barockisierung von Kirchen seuchenartige Ausmaße, kaum eine Kirche blieb verschont.Aus dem Dom hat man sogar später einen Teil des Barockzeug wieder rausgeräumt, abgebaut oder übermalt. Die im Artikel beschriebene gotische Kirche war nicht betroffen, weil das Kloster, zu dem sie gehörte, knapp bei Kasse war.

        Während des Barock gehörte die Stadt nicht zu Bayern und beherbergte viele Gesandte aus anderen Teilen Deutschlands. So erklären sich die Logen in den lutherischen Kirchen.

        Die Kirche auf dem unteren Foto ist ein Neubau aus dem 17. Jh und tatsächlich eine barocke,evangelische Kirche. Die ursprüngliche Kirche gehörte zum klammen Kloster… 🙂 Die Loge auf dem Foto ist (wenn ich das Fachchinesisch des schlauen Buchs richtig entschlüsselt habe) tatsächlich die Fürstenloge einer Fürstin aus der hiesigen katholischen Fürstenfamilie, die trotz Heirat evangelisch blieb. War ‘ne clevere, tüchtige Frau.

      • *schmunzel* ja ja, die Evangelen!

        Ist schon interessant, wie die Geschichte eines Landstrichs oder einer Stadt sich auf die Bauten auswirkt!

        (Und für die Orgeln käme ich gern mal vorbei, aber die eine muß ja erst mal wieder in ihr Gehäuse kommen.)

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