Für Silberdistel

Aside

Für Silberdistel

Brennweite 300 mm, Iso 800, Blende 22, Belichtungszeit 1/200 sec natürlich ohne Stativ aber mit leichtem Schlottern, Belichtungskontrolle nur über den Sucher, 3. Foto von dreien, Außentempartur -13 C (es besteht das Risiko, dass ich tatsächlich mal an Neugier sterbe) alle Einstellungen manuell, Fokus manuell auf unendlich gestellt, ausgeschnitten, Kontrast leicht erhöht, ein wenig nachgeschärft.

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Stop Censorship

Aside

If you want to know more about it, click the link on the ribbon at the top right.

A short explanation in German:

In den USA gibt es eine Diskussion über ein neues Gesetz zur Zensur des Internets zugunsten von Konzernen. Gut erklärt ist es hier. Ich finde den Plan so unmöglich, wie die Idee zu diesen unsäglichen, schlecht kontrollierten Internetsperren seinerzeit bei uns. Deshalb der Banner oben rechts. Der führt zu offiziellen US Protestseite, schaut doch mal rein!

Den Banner kann man bei WordPress unter Einstellungen, Protest SOPA / PIPA einschalten.

Das zweite Wohnzimmer

Public Library

Das ist einer meiner liebsten Orte in der Stadt. Nein, nicht wegen des majestätischen Gebäudes, auch nicht wegen des unvermeidlichen Autofahrers in der Fußgängerzone. Das nehme ich nur selten wahr, denn üblicherweise bin ich auf dem Weg an diesen schönen Ort voller Erwartungen und ein bisschen Gier, manchmal haste ich auch schwer beladen durch den Torbogen und dann die auf der linken Seite die Treppe hinauf. Was es ist?

Die Stadtbücherei.

Sie residiert im ersten und zweiten Stock des Gebäudes und hat viel, was mein Herz begehrt: Bücher natürlich – aus Papier und zum Anhören – Musik, Noten, Zeitschriften und Videos. Sie hat auch freundliche Angestellte, die mich inzwischen kennen und auch gern mal ermutigen, doch noch ein wenig mehr mitzunehmen. Seltsamerweise gerade dann, wenn ich nicht mit nur einem oder zwei Büchern an der Ausleihtheke stehe, sondern mit einem beeindruckenden Stapel, der sich kaum balancieren lässt. Da heißt es dann gern lächelnd: “Wir haben dort Körbe und Sie können insgesamt 10 Hörbücher ausleihen, wenn Sie möchten.”

Mehr als einen Rucksack voll Material kann ich aber nun mal nicht mitnehmen. Und da fallen die Entscheidungen nicht immer leicht. Selbstverständlich habe ich bei jedem Besuch einen Wunschzettel dabei und vorher im Internet recherchiert, ob denn diese Bücher oder Filme wohl auch zu haben seien. Aber um all das einzusammeln, muss ich natürlich an diversen Regalen vorbeigehen – und da sehe ich dann immer wieder Interessantes, das nicht auf meiner Liste steht.

Manchmal bin ich dann streng zu mir und denke an die ungelesenen Bücher, die sowieso daheim liegen und meine Aufmerksamkeit verdienen und leihe nur, was ich mir vorgenommen hatte. Meistens geht es anders aus. Ich nehme einen Korb und fange an, geschickt Stapel zu bilden. Ich bin längst dazu übergegangen, meine Büchereibesuche nach Terminen zu machen und keinesfalls vorher.

Schon die Entscheidung, wo ich meinen Rundgang beginnen soll, ist nicht leicht. Gut, wenn auf meiner Liste ein heiß begehrtes Buch steht, dann fange ich selbstverständlich dort an. Dabei geht es oft um englischsprachige Hörbücher oder deutsche Neuerscheinungen für die in meinem Budget kein Platz ist. Einmal wurde ich vom Verlangen nach einer deutschen Neuerscheinung übermannt, als ich das Buch bei den soeben zurückgegeben Büchern auf einem Tisch liegen sah. Wegen meines besitzergreifenden Benehmens habe ich mir von einer – in dieser Bibliothek offensichtlich neuen – Mitarbeiterin sogar eine Rüge eingehandelt. Mein freudestrahlendes Gesicht und der glasige Blick ließen meine Entschuldigung wenig glaubhaft wirken. Besserung habe ich, wenn ich mich recht erinnere, nicht gelobt. Das Buch (Verbrechen, Ferdinand von Schirach) war übrigens großartig!

Aber wenn ich nur eine Liste mit ein paar Büchern vom Typ “wenn sie grad da sind, nehme ich sie mit” habe, kommen mir Zweifel: erst die Schubladen mit den englischsprachigen Hörbüchern nach Überraschungen durchforsten? Oder die DVD Wand? Oder die deutschen Hörbücher? – Ach, nicht so wichtig, von denen gibt’s ja genug. Oder einfach mal rumschauen, dauert bestimmt keine zwei Minuten bis ich ein Buch entdecke, von dem mindestens ein Mitglied meines leseverrückten Bekanntenkreises schon geschwärmt hat. Mal reingucken, vielleicht lohnt es sich ja.

Andererseits, was soll es denn die Tage zum Essen geben? Mal in der Kochbuchecke gucken, ob sich da was findet, natürlich ein Buch mit ganz tollen Bildern. Kochbücher ohne Bilder sind langweilig. Kochbücher mit Bildern sind sperrig und schwer. Und außerdem sind ja die Reisebücher und Karten gleich nebenan. Vielleicht finde ich etwas, mit dem sich ein schöner Ausflug planen lässt. Ich bin kein Mann, ich stehe nicht gern im Wald mit der festen Überzeugung, dass ich da schon wieder rausfinden werde. Ich bin eine Frau, ich hab ‘ne Karte dabei, falls ich keinen finde, den ich nach dem Weg fragen kann.

Kurz vor der Ausleihtheke lassen sich die aktuellen Buchempfehlungen des Personals nie übersehen, ganz gleich wie schwer mein Korb schon ist und wie hoch das Risiko, dass ich nicht alle meine Beutestücke in meinem relativ großen Rucksack unterbringen kann. Bei den Empfehlungen gibt es eine Sofaecke, in der ich die Ergebnisse meiner Sammelwut nochmal überdenken kann.

Zu meinem vollkommen Glück fehlen mir dort nur noch heißer Earl Grey und Schokoladenkekse.

Die Inschrift auf der Sonnenuhr

Eine kurze Suche im Internet ergab, dass es sich bei der Inschrift auf der Sonnenuhr um den ersten Vers eines Gedichts des römischen Dichters Horaz (65 – 8 v. Chr.) handelt.

Hier eine Übersetzung der ersten paar Verse von Johann Heinrich Voß:

Beglückter Mann, der fern von allem Weltgeschäft,
Wie biedres Volk des Altertums,
Sein Vaterfeld mit eignen Stieren wohl durchpflügt,
Von allem Wuchersinne frei;
Den nicht zum Blutkampf Horngetön’ rauhschmetternd weckt,
Nicht ängstet grauser Zorn des Meers,
Der Markt und Richtstuhl meidet und großmächtiger Mitbürger stolze Wohnungen.

Auch in den folgenden Versen wird das Landleben in schönen, bunten Bildern beschrieben.

Die Sonnenuhr hängt an einem Gebäude mit einem Fluss direkt vor der Haustür, Platz für Feld und Garten, Wald in der Nähe. Ein idealer Ort für das friedliche, vergnüngte Treiben, das Horaz in seinem Gedicht beschreibt.

Mit Zitaten ist das aber so eine Sache, denn wenn man das Gedicht zuende liest, gelangt man zu folgendem Schluss:

Als so geredet unser Wuchrer Alfius,
Durchaus ein Landmann schon im Geist,
Flugs trieb er ein im Monatsmittel alles Geld,
Am ersten drauf belegt er’s neu.

Nun frage ich mich natürlich, ob der Erbauer des prächtigen, kleinen Schlosses aus dem 17. Jh, dessen Fassade die Uhr ziert, Banker war.

Außerdem amüsiert es mich, dass es schon seit über 2000 Jahren die Sehnsucht nach einem einfachen Leben mit der Natur gibt. Ein Traum, den man weder verwirklichen noch vergessen kann.

Vollständiges Gedicht zum Nachlesen

Moin!

Jetzt hänge ich schon seit Stunden vor der Kiste, mir fangen die Augen zu tränen an, ich hab Durst, ich hab Hunger, aber ich kann einfach nicht aufhören. Mein Kopf is voller Ideen, die unbedingt sofort ausprobiert werden müssen – deswegen ist auch kein Platz für Vernunft mehr drin.